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Österreichisches Freilichtmuseum Stübing

Vierkanthof aus St.Ulrich bei Steyr (55)

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St. Ulrich bei Steyr

Errichtet: Frühes 18. Jahrhundert
Übertragungsjahr: 1967

Der oberösterreichische Vierkanter zählt zu den größten und markantesten Hofanlagen Österreichs und begegnet uns in freier Landschaft noch heute bisweilen in eindrucksvollen Größen. Unser Objekt ist vergleichsweise ein kleiner Vierkanter, weist jedoch alle Kriterien dieses Hoftyps auf.

Der aus dem 18. Jahrhundert stammende „Schwarzmaier-Hof“, wie der Hausname lautete, war bis 1966 bewirtschaftet und musste dem Bau eines Stausees weichen. Die vier Trakte des zweigeschossigen Bauwerkes sind im Geviert um einen geschlossenen Innenhof zusammengebaut.

Der Wohnteil bildet die Vorderfront des Gebäudes. Neben einer wohnlichen Kachelstube befindet sich hier eine Rauchküche mit offenem Herd und Backofen.

Vierkanthof mit Römischem Mauerwerk
Vierkanthof mit Römischem Mauerwerk 

Der Stube gegenüber liegt ein Pressraum, in dem im Herbst köstlicher Most erzeugt wurde. Im Obergeschoß des Hauses liegen die Schlafräume, darunter
die „Hohe Stube“, der schönste Raum des Hauses, der sich durch eine einfache Stuckdecke von den übrigen Räumen abhebt und zu dessen Einrichtung die schönsten bemalten Möbel des Hauses zählen. Außerdem gibt es hier den Schlafraum für die Eltern und die „Menscherkammer“.
Ein Raum diente als „Schüttboden“ für die Lagerung von gedroschenem Getreide, Mehl und Lebensmittelvorräten. Die Außenwände des Wohnhauses sind im Erdgeschoß mit einem Sgraffito oder Kratzputz geschmückt und zeigen im Obergeschoß ein so genanntes Römisches Mauerwerk oder Opus spicatum, was dem Bau die für ein Bauernhaus außergewöhnliche und besonders schöne Fassade verleiht.

Vierkanthof - Kachelstube
Vierkanthof - Kachelstube

Die übrigen drei Trakte dienen als Stallungen, Scheune und Vorratsräume.

Alle Stallungen sind mit typischen Formen des Tonnen- und Gurtengewölbes ausgestattet. Die Scheune ist im Unterschied zu den drei übrigen gemauerten Trakten in einer Ständerbauweise errichtet. In die Holzkonstruktion sind Leitern einbezogen, die dazu dienen, das Heu von den überlicherweise in der Scheune gelagerten Heustöcken leichter entnehmen zu können. Das mit Stroh gedeckte Scherenjochdach ist als so genanntes „Sperrhaxendach“ ausgebildet, bei dem die Vorzüge des Pfettendaches mit jenen des Sparrendaches vereint sind. Die harmonischen Proportionen des gesamten Bauwerkes und der Dreiklang von Sgraffito, Opus spicatum und Strohdach bestimmen den besonderen architektonischen Reiz unseres Vierkanthofes.