Österreichisches Freilichtmuseum

Vierkanthof, St. Ulrich bei Steyr (Oberösterreich)

Nummer: 55
Errichtet: 1777
Übertragungsjahr: 1966

VierkanterDer oberösterreichische Vierkanter zählt zu den größten und markantesten Hofanlagen Österreichs und begegnet uns in freier Landschaft noch heute bisweilen in eindrucksvollen Größen. Unser Objekt ist vergleichsweise ein kleiner Vierkanter, weist jedoch alle Kriterien dieses Hoftyps auf.
Der aus dem 18. Jahrhundert stammende „Schwarzmaier-Hof“, wie der Hausname lautete, war bis 1966 bewirtschaftet und musste dem Bau eines Stausees weichen. Die vier Trakte des zweigeschossigen Bauwerkes sind im Geviert um einen geschlossenen Innenhof zusammengebaut.
Der Wohnteil bildet die Vorderfront des Gebäudes. Neben einer wohnlichen Kachelstube befindet sich hier eine Rauchküche mit offenem Herd und Backofen. Der Stube gegenüber liegt ein Pressraum, in dem im Herbst köstlicher Most erzeugt wurde. Im Obergeschoß des Hauses liegen die Schlafräume, darunter die „Hohe Stube“, der schönste Raum des Hauses, der sich durch eine einfache Stuckdecke von den übrigen Räumen abhebt und zu dessen Einrichtung die schönsten bemalten Möbel des Hauses zählen. Außerdem gibt es hier den Schlafraum für die Eltern und die „Menscherkammer“.
Ein Raum diente als „Schüttboden“ für die Lagerung von gedroschenem Getreide, Mehl und Lebensmittelvorräten. Die Außenwände des Wohnhauses sind im Erdgeschoß mit einem Sgraffito oder Kratzputz geschmückt und zeigen im Obergeschoß ein so genanntes Römisches Mauerwerk oder Opus spicatum, was dem Bau die für ein Bauernhaus außergewöhnliche und besonders schöne Fassade verleiht.