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Freilichtmuseum Stübing

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Freilichtmuseen in Europa

Idee und Geschichte der Freilichtmuseen Europas

Es kann der Tag kommen,
da all´ unser Gold nicht reicht,
uns ein Bild von der entschwundenen Zeit zu formen."

Artur Hazelius,
der Gründer des größten schwedischen Freilichtmuseums Skansen

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts erkannten zunächst Vertreter der historischen Wissenschaften den Wert des historischen Bauernhauses als Geschichtsquelle. Haus und Hof der Bauern wurden zum Objekt der Hausforschung, die als wissenschaftliche Disziplin von nun an immer wichtiger wurde.

Im skandinavischen Raum wurde der Wert des alten Bauernhauses, der gesamten Volkskultur und sehr bald auch deren Gefährdung durch die Entwicklung von der Agrar- zur Industriegesellschaft erkannt. Daraus entstand die Idee des Freilichtmuseums mit dem Ziel, historisch wertvolle Bauernhöfe sowie handwerkliche und frühe technische Bauten wie Mühlen, Stampfen, Sägen u.a. in ein geschlossenes Areal zu übertragen. Damit sollten sie als wissenschaftliche Dokumente und als Zeugen einer vergangenen Kultur für die Nachwelt bewahrt werden.

Der schwedische Wissenschaftler Artur Hazelius befasste sich mit der Gründung des schwedischen Freilichtmuseums "Skansen". "Skansen" wurde 1891 als erstes wissenschaftliches Freilichtmuseum gegründet. Es gehört heute zu den größen Freilichtmuseen der Welt.

 

Das Vorfeld der Freilichtmuseen in Europa

Der richtige Boden für die Idee des Freilichtmuseums war u.a. die Nationalromantik des 19. Jahrhunderts. Sie sah in der Errichtung kulturhistorischer Museen insgesamt ein Mittel zur Rettung und Bewahrung der bedrohten materiellen und geistigen Zeugen der Vergangenheit.

Im Vorfeld der wissenschaftlich orientierten Bestrebungen hatte man sich schon im 18. Jahrhundert, angeregt durch die Schriften Jean-Jacques Rousseaus über ein neues Naturverständnis und die positive Bewertung des Landlebens, dem Bauernhaus und seiner Kultur zugewandt.

In herrschaftlichen Parkanlagen von Versailles, Laxenburg, Schönbrunn u.a. baute man Bauernhäuser, um sich darin und daran zu erfreuen.

Bei Weltausstellungen und Landesausstellungen fanden nachgebaute Bauernhäuser und vereinzelt auch translozierte Objekte aus den verschiedenen Regionen der Monarchie das Interesse der Besucher. Wenngleich diese Aktivitäten von Sammlern und Kulturfreunden veranlaßt wurden und wissenschaftliche Zielsetzungen vermissen lassen, müssen sie doch als Ereignisse im Vorfeld der Idee des Freilichtmuseums genannt werden.

Hier sind auch die Hinweise Karl Viktor v. Bonstettens aus dem Jahre 1790 als erste Äußerungen in Richtung Freilichtmuseum zu nennen. Der gebürtige Schweizer wies auf die Notwendigkeit hin, die alten bäuerlichen Bauten verschiedener Regionen eines Landes zu sammeln, um Vergleiche anstellen zu können.

Es sollte allerdings noch über hundert Jahre bis zur Realisierung dieser Idee dauern. Hier ist aus der Mitte des 19. Jahrhunderts die Sammeltätigkeit des aus der Schweiz stammenden Norwegers Thomas Johannessen Heftye zu nennen, der Bauernhäuser nach Holmenkollen in Oslo transferieren ließ. Der norwegische König Oskar II. brachte bäuerliche Bauten und eine Stabkirche in den königlichen Park von Bygdøy. Daraus entstand wenig später das Norwegische Freilichtmuseum.

Erst im ausgehenden 19. Jahrhundert werden Wissenschaftler aktiv, um historisch wertvolles Baugut der bäuerlichen Kultur durch die Schaffung von Freilichtmuseen vor der Vernichtung zu retten und als Kulturgut der Vergangenheit für die Nachwelt zu erhalten. Es war der schwedische Wissenschaftler Artur Hazelius, der sich nach der Gründung des Nordischen Museums in Stockholm im Jahre 1873 mit der Schaffung des Freilichtmuseums "Skansen" befaßte, so dass im Jahre 1891 in Stockholm die erste wissenschaftliche Gründung dieser Art eröffnet werden konnte.

Nun folgten zunächst zahlreiche Gründungen in Skandinavien, darunter so bedeutende Freilichtmuseen wie Bygdøy in Oslo 1894, Lyngby bei Kopenhagen 1901, Lillehammer in Norwegen 1904, Seurasaari in Helsinki 1909, Arnhem in den Niederlanden 1912, Aarhus in Dänemark 1914, Riga in Lettland 1924, Ro¥nov in der Tschechoslowakei 1925, Klausenburg (Cluj) 1929, Bukarest 1936, Hermannstadt 1962 in Rumänien, um nur einige zu nennen.

In Deutschland kommt es relativ spät zur ersten großen regionalen Gründung im Jahre 1934 in Cloppenburg, Niedersachsen, und erst nach dem Zweiten Weltkrieg folgen zahlreiche Freilichtmuseen wie Kommern, Detmold, Kiel, Gutach, Großweil, Bad Windsheim, Sobernheim, Neu-Ansbach u.v.a.

Es gibt Freilichtmuseen in Großbritannien, Irland, Belgien, Ungarn, Polen, Rußland u.a. Ländern.

Lit.: Pöttler, Viktor Herbert: Die Idee des Freilichtmuseums und ihre Verwirklichtung. In: Ders.: Erlebte Baukultur, 3. Aufl., Stübing b. Graz: Im Selbstverlag des Österreichischen Freilichtmuseums, 1992 (=Schriften und Führer des Österreichischen Freilichtmuseums, Nr. 13).

 

Öffnungszeiten 2010

1.4. - 31.10., täglich 9-17 Uhr
Montag geschlossen

1.5-15.9. auch montags offen

T +43 (0) 3124 53 700
service@freilichtmuseum.at